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Kolloquium 2007: Bericht von Gebhard Aschenbrenner

Das landtechnische Kolloquium des ÖKL - wieder ein Erfolg!

Erntekostensenkung durch Technik und Management

Alle Aspekte der Erntekosten vom Grünland über das Getreide bis zum Grünland und die Rüben kamen beim diesjährigen Kolloquium des ÖKL and der Universität für Bodenkultur zur Sprache. Erwartungsgemäß entwickelten sich dazu interessante Diskussionen. Hinsichtlich der Atmosphäre ist die freundliche Begrüßung durch die neue Rektorin - einer promovierten Maschinenbauerin - zu erwähnen.

DI Rittler, Betriebswirt in der LK NÖ, erläuterte, dass es in den allermeisten Fällen nur das subjektive Empfinden ist, das etwa einen eigenen Mähdrescher wegen der 'Terminkosten' gerechtfertigt erscheinen lässt. Der möglicherweise geringfügig höhere Preis für das Getreide macht die eigene Maschine noch nicht wirtschaftlich und es können an anderer Stelle Terminkosten entstehen, wenn z.B. - um die Maschine besser auszulasten - beim Nachbarn gedroschen, aber die Arbeit im eigenen Stall vernachlässigt wird. Rittler entwickelte seine Modellrechnung zum Vergleich, besonders der fixen Kosten, anhand der ÖKL-Richtwerte. Wird die Maschine länger genutzt als es diese Erfahrungswerte vorgeben, so sinken die Fixkosten, aber man 'riskiert' nach Jahren eine zwar verschleißtechnisch einwandfreie aber im Übrigen veraltete Maschine am Hof zu haben.

An der HLBFA Raumberg wurde ein Vergleich bei der Grünfuttersilageernte zwischen Ladewagen und Häcksler durchgeführt, über den DI Pöllinger sprach. Um welche Größenordnungen es bei der Leistung ging, wurde klar, als das dafür benötigte Walzfahrzeug, hier ein aufballastierter Radlader mit 22 t, gezeigt wurde. Bei der Ablauforganisation liegt der Schlüssel für die mögliche höhere Ernteleistung des Häckslers. Der Abstand sinkt jedoch gegenüber einem Großraumladewagen. Bei Feld-Hofentfernungen bis drei km schließlich war im gezeigten Versuch der mittelgroße Kurzschnittladewagen im Vorteil. Es müssen immer die Gesamtkosten eines Verfahrens betrachtet werden. Dazu zählt letztlich auch die zu erzielende Qualität der Silage. Sie hängt vom Aschegehalt, also der Futterverschmutzung , dem möglichst rasche Sinken des pH ('Absäuerung') und der richtigen Struktur, die wiederum die Verdaulichkeit beeinflusst, ab.

'Der' Mähdruschexperte Prof. Rademacher erläuterte die Druschsysteme: Das herkömmliche Tangentialdresch-Schüttler-System kann nicht ohne weiters vergrößert - genau genommen verbreitert - werden, denn der Drescher würde die zulässige Breite überschreiten. Daher werden zu den Schüttlern - deren Anzahl mit fünf bis sechs begrenzt ist - zusätzliche Abscheiderotoren wie Beschleuniger eingebaut. In der nächsten Stufe gelangen statt der Schüttler Rotoren zum Einbau. Anschaulich erläuterte der Referent, was eine mehr (Tangentialdrescher) oder weniger steil (Axialdrescher) ansteigende Verlustkennlinie bedeutet: Wenn die Siebe durch einen zu hohen Gutsfluss überlastet sind, steigen bei Ersterem mit noch weiter steigendem Durchsatz die Körnerverluste wesentlich stärker als beim Axial- oder Rotordrescher. Bei steigendem Feuchtegehalt sind die Unterschiede geringer. Durch den reibenden Drusch arbeiten Axialdrescher schonender - das leitet über zum Bruchkorn: wenn davon wenig im Tank ist, liegt der größere Teil möglicherweise auf dem Feld, 'wo keiner schaut'. (Anm.: Und wenn doch, so wird nach ganzen Körner gesucht.) Rademacher wurde über den Ährenstripper - einen Abstreifer, bei dem entsprechend leistungssteigernd fast nur Ähren durch die Maschine gehen, und der auch auf dem Kontinent zum Einsatz kam - befragt. Der Referent bemerkte dazu, dass die langen Halme nach dem Abstreifen von den Rädern in den Bodengedrückt werden und die Folgebearbeitung behindern. Das gilt in abgemilderter Form auch für den Hochdrusch. Dazu das Fazit: technisch ist es möglich, durch Mäheinrichtungen zwischen Tisch und Mähdrescher die Halme zu kürzen und zu häckseln - aber dann wird der Aufwand etwa für die Hydromotoren so hoch, dass man gleich beim herkömmlichen Verfahren bleiben kann. Das wird angesichts der Tatsache, dass alleine der Häcksler bei feuchterem Stroh bis 100 PS aufnimmt, noch verständlicher.

Die Rübenabfuhrsysteme in Bayern bzw. Deutschland und Österreich sind jeweils historisch gewachsen und man spricht vom dezentralen und zentralen System. Referent Dr. Apfelbeck erläutert Ersteres, das die Rüben nach der Ernte am Feldrand belässt, von wo sie mit der Rübenmaus (ein Euphemismus: dieses Rübenladegerät lässt den Mähdrescher in ihren Dimensionen weit hinter sich) neuerlich aufgenommen werden, um von bäuerlichen Genossenschaften - die damit zusätzliche Wertschöpfung erreichen - in die Fabrik gebracht zu werden. Durch die erneute Manipulation sinkt der Erdanhang. Nicht immer sind allerdings die Bodenbedingungen günstig, wenn laut Vorgabe der Fabrik geladen werden muss, und noch im Folgejahr können die Strukturschäden sichtbar sein. Die Mieten müssen durch eine Abdeckung aus Stroh - das Überblasen kann von der Fabrik übernommen werden - oder ein Vlies abgedeckt werden, um Verluste zu vermeiden.

Sowohl die Agrana, vertreten durch DI Fischer, als auch der Verband der Rübenbauern, vertreten durch Dr. Pinkl, haben die 'österreichische Lösung' vorgestellt, wonach die Rüben auf asphaltierten, zentralen Plätzen gelagert werden. Von dort können sie unter allen Wetterbedingungen ohne Schädigung der Bodenstruktur aufgenommen werden. (In diesem Zusammenhang wurde eine unter Wasser stehende Miete in Deutschland gezeigt). Der Transport erfolgt zum weit überwiegenden Teil mit der Bahn. Speziell für den Rübentransport sind in Bayern als Zugmaschinen typisierte und hinsichtlich Steuer und Versicherung kostengünstig zu betreibende LKW im Einsatz. (Anm.: Darüber müsste man sich in Österreich erst einmal mit den Frächtern einigen ...) Das Fazit: Jedes System hat seine Vorteile und eine ökonomische Bewertung fällt schwer - wie bewertet man die z.B. Bodenschäden?

Der Geschäftsführer im Maschinenring NÖ und Wien, DI Ertl brachte zunächst eindrucksvolle Zahlen für den Strukturwandel aus einem niederösterreichischen Bezirk mit Acker- und Weinbau: So hat sich die Anzahl der Betriebe - gemessen an den abgegebenen Mehrfachanträgen - binnen zehn Jahren halbiert. Entsprechend zugenommen hat die Einzelbetriebsfläche, auf der man sich als Gemischtbetrieb (in deutschen Publikationen nicht ganz wertungsfrei auch als 'Vielmeier' bezeichnet) schwer tut. Terminkosten durch - trotz 7-Tage-Woche - nicht zeitgerecht erledigte Arbeiten können entstehen. Größere Maschinen zu kaufen bedeuten den Anfang einer negativen Spirale, weil deren höhere Fixkosten schwer zu verdienen sind. Hier schlug Ertl den Bogen zur generellen Fixkostenbelastung, wonach das 'bessere' Drittel der Betriebe 123 Euro/ha und das weniger effektive Viertel hierfür 483 Euro/ha aufwendet. Wer z.B. im (Schweine-) Stall höchste Leistungen erzielen will, muss sich darauf spezialisieren und unter Umständen die Ackerarbeit auslagern. Hier tritt der Maschinenring auf den Plan und bietet den 'Bewirtschaftungsvertrag', der dem Landwirt, der weiterhin (und steuerrechtlich relevant!) Unternehmer bleibt, eine Einsatzgarantie bringt. Speziell geschulte Landwirte bieten ihrer Hilfe für den Mehrfachantrag an. Der Spezialist für den Pflanzenschutz ist für den 'Worst-Case' (wenn etwa der danebenliegende Schlag eines Biobauern durch Spritzmittel geschädigt wird) versichert.

Bei der üblichen Kommassierung 'schreitet die Behörde ein' und setzt ein Verfahren in Gang, das naturgemäß über Jahre dauert. Abgesehen von gewissen zu berücksichtigenden 'Befindlichkeiten' der Eigentümer werden erst die bestehenden, dann die neuen Grenzen vermessen und mit Grenzsteinen vermarkt. Bei der 'virtuellen Flurbereinigung', wie sie Prof. Wagner (Universität Halle) vorstellte, ändern sich die Eigentumsverhältnisse nicht - es wird einfach über die Grundgrenzen hinweggewirtschaftet, wobei vorhandene Grenzsteine nach genauer (Luftbild-) Kartierung so tief gelegt werden, dass sie die Maschinen nicht beschädigen. In der höchsten Stufe wird mittels Satellitennavigation und Ertragskartierung jedem Punkt- jedenfalls mit einer Messung/sec - ein Druschertrag zugeordnet, was bei unterschiedlichen Teilschlägen eine genaue Abrechnung ermöglicht. Auch die Düngung kann ortsspezifisch erfolgen. Der Vorteil der neu geschaffenen Einheiten ist, dass weniger Zeit für das Wenden und Bearbeiten von Keilen beansprucht wird. Der verringerte Anteil an Randlinien, der Wegfall von Feldrainen bedeutet einen unmittelbaren Mehrertrag. Bessere Faktor- und Produktpreise und 'economy of scale': Das ist die Umschreibung der Tatsache, dass man größere Mengen günstiger einkaufen und als einheitliche Partien besser verkaufen kann. Die Beteiligten können ökonomische (Ertrag) oder ökologische (z.B. weniger Bodenerosion) gemeinsame Ziele festlegen. Wagner erklärt die geringe Verbreitung derartiger Modelle bei den offensichtlichen Vorteilen damit, dass der 'Leidensdruck' der Bauern noch zu gering sei. (Anm.: Bei den derzeitigen Getreidepreisen nimmt er sogar ab!). Er bringt auch die Emotion ins Spiel: Mancher fährt einfach gerne mit dem Traktor.

Eine Art virtuelle Kommassierung nimmt der burgenländische Landwirt Leeb vor, indem er Pachtflächen mit eigenen kombiniert. Kommt ihm ein Acker in die Quere, dessen Eigentümer nicht verpachten will, so wird er mit einem anderen, entfernt liegenden abgefunden. Das fällt nicht schwer, denn immer noch sind die Flächen über sieben Gemeinden verteilt. Mitunter ist es auch unproduktiv, den Besitzer einer gepachteten Fläche über einen Tausch zu informieren...
Ein vorerst nach klarer Übermechanisierung wirkender Sachverhalt löst sich so auf: Zwei Mittelklasse-Mähdrescher scheinen bezogen auf die Fläche zunächst viel. Wenn aber die damit vorgehaltene Schlagkraft dazu dient, bei den verpachtungs- und verkaufswilligen Bauern gegenüber anderen Berufskollegen den Vorzug zu genießen und so den Betrieb ständig zu vergrößern, geht die Rechnung auf. Mit seiner lockeren Art des Vortrages, ja seinen Eulenspiegeleien (was macht man mit dem Großvater eines präsumptiven Erben einer Fläche, der mit der Vorauskasse schon jetzt einen Porsche finanzieren möchte?) hatte der Landwirt ein begeistertes Publikum auf seiner Seite, wenngleich die Botschaft √ so wie z.B. über die vielen Betriebsaufgaben im Burgenland - stellenweise ernst war.

Das Ergebnis: auch wenn die derzeit steigenden Produktpreise die Situation etwas entspannen, hat das ÖKL mit den Erntekosten wieder ein aktuelles Thema behandelt, wie Reaktion des Publikums zeigte. Sämtliche Präsentationen können über die Homepage des ÖKL betrachtet (und herunter geladen) werden.

Gebhard Aschenbrenner

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